Montag, 7. November 2016

Trauerarbeit

Du verlässt mich. Gehe in Frieden. Und lass deine Wünsche allein das Licht sein, das deinen Weg erhellt. Finde Stille, wo immer du bist.  Chaim Nacham Bialik (1873 - 1934)



Gestern war es eine Woche her. Eine Woche voller Traurigkeit und Kummer. Meine Freundin die ich in- und auswendig kannte, ist gegangen. Vierundzwanzig Jahre innige Freundschaft waren mit einem Mal wie ausgelöscht.

Für mich war es sehr schwer und auch heute ist da immer mal wieder ein Gefühl der Traurigkeit, aber auch ein Gefühl der Stärke. Ich glaube in diesen Momenten ist sie da.
Das WARUM war so präsent, obwohl es keinen Sinn macht darüber nachzudenken. Es ist nicht zu ändern, das muss man akzeptieren lernen.

Für mich war es wichtig, persönlich Abschied zu nehmen. Ihre Hand zu halten und mit ihr zu reden. Ich sagte alles was mir einfiel und spürte unendlichen Frieden. Ich wusste, das war richtig.
In der Nacht konnte ich kaum schlafen und es tauchten Bilder auf wie in einem wirren Film. Bilder die ich nicht zuordnen konnte. Der Tag darauf bestand darin zu funktionieren, das zu tun was getan werden musste. Alles andere erschien erstmal unwichtig. Am nächsten Tag schrieb ich ihr einen Abschiedsbrief. Ich spürte, ich musste sie loslassen, Freiheit für uns beide. Der Schmerz des Festhaltens war so immens das mein Körper massiv darauf reagierte. Herzstolpern, Schwäche, Druckgefühl, Ängste die schon einer Panik glichen. Da war nicht nur Trauer. Da war so viel. Wut, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Einsamkeit. Also schrieb ich ihr, legte ein Bild von uns bei, packte alles in einen Umschlag und legte ihn an einen schönen Platz. Am Tag ihrer Beisetzung bekommt sie ihn. Von da an ist etwas in mir geschehen. Ich fühlte mich so leicht! Die körperlichen Symptome sind weg und Freude kommt wieder, langsam aber immer mehr.

Ich weiß das sie etwas da gelassen hat. Sie dachte und lebte sehr spirituell. Wenn wir uns gesehen haben oder telefonierten, ging es hauptsächlich über die Veränderungen in uns und der Welt. Haben in Meditation zusammen die Stille genossen. "Sag` zu allem Ja!" Das war ihr Satz.
Dieses JA habe ich nun begriffen. Dieses JA ist vom Kopf ins Herz gefallen. Alles darf sein, ist Leichtigkeit, ist Frieden.
Wir können nicht immer eingreifen und vielleicht ist dieses Eingreifen auch nicht von Nöten. Wir sitzen da, zerbrechen uns den Kopf über das Warum und Wieso. Ja und Wenn es anders wäre, dann wäre es ja viel viel besser. Wer weiß das?
Dieser innere Kampf ist mir in dieser Situation so bewusst geworden. Es wird gegrübelt, gemacht und getan. Ein ewiges Rennen. Doch das kostet Kraft. Jeden Tag bewusst positiv zu gestalten und zu leben, wirklich zu leben, das ist der Sinn des Lebens.
Sie sagte immer: "in jeder Erfahrung, gerade in denen die weh tun, ist die Perle der Weisheit erhalten!" Ja auch da hatte sie mal wieder recht.

Beschaue dein Leben. Ist es so das es dir Freude bereitet? Stehst du jeden Tag auf und bist dankbar das du diesen Tag erleben kannst? Hast du Stress und Anspannung, oder gehst du Deiner Arbeit entspannt nach? Genießt du den Abend und hast Spaß? Kannst du noch lachen und Spaß haben wie ein Kind? Wie verhältst du dich gegenüber anderen, freundlich oder abweisend? Hast du ein offenes Herz?
Jeder hat die Wahl wie er sein Leben gestalten möchte. Sie hat die Erkenntnis hinterlassen, das dieses Leben wunderbar ist und jeder Tag ein Geschenk. Egal wie furchtbar er erscheinen mag.

Danke Klaudi für viele Jahre Freude; Spaß, Verständnis und Liebe. Auch wenn du jetzt dort bist wo du immer sein wolltest, weiß ich das du immer da bist. Keine Seele geht verloren. Habe Spaß dort wo du bist und mach dir keine Sorgen um uns, wir tragen dich in unseren Herzen und lachen weiterhin mit dir. Danke für alles, du wunderbare Seele!


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