Freitag, 27. März 2015

Stiller Beobachter im Zentrum des Zyklons

Geld haben ist schön, solange man nicht die Freude an Dingen verloren hat, die man nicht mit Geld kaufen kann.
Salvador Dali (1904-1989)


Wirklich, das Leben ist schon recht interessant. Vorausgesetzt man schaut es sich an, still, von höherer Warte aus. Ich habe es schon öfter getan, gerade wieder vor zwei Tagen, als ich im Auto auf jemanden gewartet habe.
Es war ein angenehmer, sonniger Tag. In dieser Straße stehen ein paar Reihenhäuser, aber auch einige Firmen haben dort ihren Standort. Es ist jetzt zwar nicht Innenstadt aber wegen der Firmen ist immer was los. Da ich kein Mensch bin der, wenn er wartet am Handy rum fummelt, saß ich einfach da und habe mal alles beobachtet.
Die Menschen die vorbeifuhren, ob mit Auto oder Fahrrad, sahen nicht gerade fröhlich und vergnügt aus. Der Postbote der sich an seine Arbeit machte, legte ein Tempo hin als wollte er sich auf die nächste Olympiade vorbereiten. Der Mann der mit Besen und Schaufel auf die Straße trat war wirklich von seiner Arbeit begeistert. Er pflückte jeden Papierfetzen mit der Hand auf und fing dann erst an zu kehren. Ok, auch eine Variante. Ich hatte mein Fenster etwas geöffnet und hörte also auch wie er fluchte. Warum er die Schaufel dabei hatte, erschloss sich mir nicht wirklich, weil er vom Gehweg einfach auf die Straße kehrte. Nach maximal zehn Minuten war er fertig, mit der Arbeit und den Nerven. Amüsant. Die Reihenhäuser machten für mich einen recht lieblosen Eindruck. Man hat sie gekauft, zahlt wohlmöglich noch 20 Jahre daran und hat keine Zeit sich an ihnen zu erfreuen, Geld muss ja verdient werden das die Rechnung getilgt ist.
Kurzum - alle, ja wirklich alle, nicht mit einer Ausnahme, waren am rennen und hetzen, der Gesichtsausdruck versteinert oder am fluchen.
Für was das alles?
Fragen sich wirklich so wenige, warum sie tun was sie tun?

Auf der einen Seite ist man erst mal schockiert, auf der anderen Seite findet man es amüsant. Wenn es noch eine Seite gibt, dann die wo man von alldem gar nichts mehr wahrnimmt. Ich nehme an, auf dieser Seite befinden sich die meisten.
Es wird gehetzt, getrieben, man beutet sich selbst aus. Um sich seine Wünsche zu erfüllen, um etwas Großes zu erreichen, um gut da zu stehen, dazu zu gehören. Sieht ja auch doof aus, wenn beim Marathon alle rennen und einer läuft beschwingt mit einem Liedchen auf den Lippen hinterher. Der hat aber bestimmt weniger Stress!
Da hat wieder mal unser Kopf das Sagen. Vielleicht ist da der Glaube an Himmel und Hölle, bin ich fleißig und artig wartet das Paradies auf mich, bin ich faul und zornig höre ich schon das Höllenfeuer brodeln. Oder, das man für seine Nachfahren ein gutes Beispiel ist, weil die sollen es ja genau so gut haben wie man selbst.

Ich finde es lustig, ja das gebe ich offen zu. Denn egal was der Grund ist, weshalb man sich abmüht, er widerspricht sich.
Gibt es Himmel und Hölle wirklich, also so richtig, zu 100 % ? Bewiesen hat´s noch keiner. Wenn es so wäre, könnte man es ja noch verstehen. Obwohl es da wohl ganz schön Kuddelmuddel gäbe, denn gerade die, die immer schön fleißig und artig sein sollen, flippen auch gerne mal aus. Hm da muss wohl genau ausgewählt werden.
Kann man wirklich anderen ein perfektes Leben vorleben? Man kann es versuchen, spricht nichts dagegen, doch jeder von uns hat andere Vorlieben oder Träume. Nun übernimmt ein Nächster den Lebensstil des anderen, vergräbt seine Vorstellungen von Leben in einem tiefen, sehr tiefen Loch, so führt es dazu, das die vergrabenen Wünsche irgendwann an die Oberfläche kommen. Da geht es einem nicht gut damit. Nun kann man es wieder verbuddeln oder aber anfangen sein Leben zu leben wie man es selbst möchte.

Ich renne da nicht mehr mit, ich bin wohl der Marathonläufer der beschwingt ein Liedchen trällert. Klar muss auch ich meine Rechnungen zahlen und für mich sorgen, aber ganz ehrlich, was gibt es denn zu erreichen? Alles ist vergänglich, die Natur, unsere Häuser in denen wir leben und wir auch irgendwann. Sollten wir nicht endlich mal damit anfangen, das zu genießen was da ist, zu würdigen das wir das genießen können? Ich weiß nicht wie es bei dir aussieht, ob du ein Renner oder Genießer bist. Doch egal wie du dich selbst einschätzt, beobachte mal das Leben da draußen und dein eigenes, und frage dich ob das dein Weg ist den du gehen möchtest, gelassen, entspannt und dankbar.
Hör auf dich treiben zu lassen.


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